„Das ist meine Heimat“

Meine heutige Gastgeberin wohnt seit Ende 2018 in einer neu gebauten 85 Quadratmeter großen Wohnung, die ihre „Heimat“ geworden sei. „Ich wollte endlich richtig ankommen und hier bin ich jetzt zu Hause“, sagt Sibylle Kuhne, die ich vor zwei Jahren in ihrer Interimswohnung mitten in der Innenstadt schon ein Mal besuchen durfte. Nach zehn Jahren habe sich die alte Wohnung nicht weiter optimieren lassen, und außerdem sei die neue viel besser geschnitten, schwärmt die Bewohnerin und führt mich durch die lichtdurchfluteten Räume.

Neues trifft Altes

Wir stehen auf dem Sonnenbalkon mit Blick auf einen alten großgewachsenen Baum und ein historisches Kutschenhaus. Die liebliche Figur mit der Geige stammt aus dem Garten ihres ehemaligen Hauses Birkenried in Neunkirchen/Nordrhein-Westfalen, in dem die Familie wohnte und das auch als Theaterspielstätte diente. Altes und Neues zu vereinen, das war ihr aktuelles Anliegen beim Einrichten ihrer neuen Drei-Zimmer-Wohnung in der Pleißestadt.

Theoretisch habe sie vorm Einzug alles auf einen Plan gepackt und der sei aufgegangen, erzählt Sibylle. Unzählige Requisiten, Gemälde, Theaterfotos und geerbte Möbelstücke bilden ein wunderschönes Ensemble in der neuen Wohnung, die ein Erstbezug ist. „Theatralisch inszeniert habe ich das Schlafzimmer als Damenzimmer mit einem Sekretär und einem Bild, das bei meinen Eltern im langen Flur hing“, erklärt Sibylle.

Neues Zuhause

Am schönsten sei das große Zimmer mit einer Sitzgruppe vor einer hochwertigen DDR-Schrankwand aus dem Jahr 1978 gelungen. Die wurde aus echtem Holz gefertigt und war wahrscheinlich ein Musterstück oder für den Export bestimmt. „Der Raum, der sich zum Arbeitszimmer öffnen lässt, ist wie ein Bühnenbild. Hier kann ich meine Rollen einstudieren und auf- und abgehen“, sagt die Mimin begeistert. Auch im kleinen Zimmer, in dem viel Licht durch das bodentiefe Fenster fällt, gibt es so einige Erinnerungen an die Familienzeit mit dem 2015 verstorbenen Ehemann Jörg und dem heute 35-jährigen Sohn Benjamin, der als Siebenjähriger in Schillers „Wilhelm Tell“ mit seinen Eltern gemeinsam Theater spielte. Neben dem praktischen Schreibtisch steht ein antikes Lesetischchen, an dem die Schauspielerin am liebsten ihre Texte liest.

Delitzsch – Leipzig – Neunkirchen

Aufgewachsen ist die Künstlerin übrigens in Delitzsch, mit 18 ging sie an die damalige Leipziger Theaterhochschule „Hans Otto“ und feierte später ihr erstes Engagement an den Städtischen Bühnen der Messestadt. Bei Dreharbeiten in Halle lernte Sibylle ihren späteren Ehemann, den Schauspieler und Regisseur Jörg Kaehler, kennen und lieben. In den Neunzigerjahren war sie als Darstellerin unter anderem in der Fernsehserie „Lindenstraße“ in der Folge „Schwanengesang“, im „Marienhof“, und vor drei Jahren bei „Schloss Einstein“ zu erleben.

Frauentag mit Sibylle Kuhne

Heute glänzt sie mit Texten über starke Frauen wie der Musikerin Clara Schumann sowie die Dichterinnen Else Lasker-Schüler und Elsa Asenijeff. Am Internationalen Frauentag, dem 8. März, lädt Sibylle Kuhne um 15 Uhr zum Programm „Ich mach ein Lied aus Stille“ anlässlich des 90. Geburtstages von Eva Strittmatter (1930 – 2011) ein, die ihr erst während der intensiven Auseinandersetzung mit ihrer Rolle als Frau, Mutter und Schriftstellerin näher gerückt ist. „Ich freue mich auf die Veranstaltung im Gohliser Schlösschen, meiner Lieblingsspielstätte. Hier bin ich schon als Studentin aufgetreten.“

2 Gedanken zu „„Das ist meine Heimat““

  1. Warum kann ich mir mit 2 Personen nur 50 m2 leisten? Weil wir ehemalige DDR Bürger sind. Ich möchte auch gerne so stilvoll eingrichtet leben können. Aber wir sind eben die Okupierten Verlierer

  2. Das ist doch der blanke Neid von Toni Milda.Jeder nach seinen Möglichkeiten.Mir wären es zuviel Sitzgruppen in der Wohnung.Alles eine persönliche Ansichtssache.

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