Alles nach Maß

Hausbesuch bei Pauline, Angelo und Edgar in der Südvorstadt (Foto: Regina Katzer)

Vor genau drei Jahren besuchte ich Tischlermeister Angelo das erste Mal in seiner damaligen Wohngemeinschaft in der Leipziger Südvorstadt. Mitbewohner Enrico ist inzwischen aus-, Freundin Pauline dafür eingezogen – und vor drei Monaten erblickte das gemeinsame Söhnchen Edgar das Licht der Welt. Grund genug, bei der kleinen Familie wieder vorbeizuschauen und die neue Wohnsituation zu beäugen.

Leben in der Südvorstadt

Die 82 Quadratmeter große Wohnung ist am Wintermorgen meines Hausbesuches sonnendurchflutet. Einige Wände haben einen Farbanstrich verpasst bekommen und es sei viel gemütlicher geworden, findet der 34-jährige Möbelbauer. Das ehemalige WG-Wohnzimmer mit dem Mountainbike an der Wand wirkt jetzt größer, da die zweiflügelige Tür zum Erkerzimmer geöffnet wurde und den Raum heller erscheinen lässt.

Großmutters Küchenbuffet, das ihr als Marmeladenschrank diente, erstrahlt nach der Restaurierung in den Farben weiß, grau und blau. „Der kommt mir so nicht ins Haus“, hatte Angelo beim Anblick des alten Kiefernschrankes getönt. Die dunkelbraune Kommode aus den 1960er-Jahren hat das Pärchen auf einem Flohmarkt „geschossen“.

Nachtlager unter der Decke

Vorm Fenster steht ein Stubenwagen aus geflochtener Weide, aber Klein-Edgar schläft seit Weihnachten lieber mit den Eltern auf dem selbstgebauten Hochbett, erzählt die 29-jährige Mama. Für seine Sicherheit hat Papa extra ein Geländer angebaut. Wird sein Bewegungsdrang allerdings demnächst größer, muss eine Alternative her. Die extravaganten Nachtlager, die sein Vater aus weiß lackiertem Holz und nur einem braunen Pfosten herstellt, sind derzeit der Renner im Verkaufsgeschäft des Leipziger Tischlermeisters.

 


Auch die Schrankwand mit den vielen Schubläden, Fächern und offenen Regalen ist in der eigenen Werkstatt in Mölkau entstanden. Als Pauline in der Schwangerschaft noch viel Zeit hatte, wurde sie aus Spaß kreativ. Die Dozentin für Deutsch als Fremdsprache saß an der Nähmaschine und schneiderte Höschen für den Nachwuchs, die er bei meinem Besuch zur Schau trägt.

Leitern sind keine Deko

Auffallend im großen Eckzimmer ist der graue Säulenschrank – teilweise mit Kupfer oxidiert. „Aufgrund der Deckenhöhe im Altbau können wir in die Höhe bauen. Leitern sind bei uns keine Deko“, sagt der Hausherr und schmunzelt. Auch in der kleinen Küche geht es hoch hinauf: Ein paar Klappstühle aus Paulines früherer WG wurden kurzerhand platzsparend an der Wand befestigt. Gespeist wird natürlich auch an einem selbstgebauten Eichentisch mit verchromten Beinen. Die Platte erinnert an das Holzdeck eines Boot und Angelo an seinen Aufenthalt in Norwegen, wo er vier Jahre lang gearbeitet hat.

360-Grad-Rundblick

10 Gedanken zu „Alles nach Maß“

  1. Für meinen Geschmack wirkt die Einrichtung etwas zu geordnet, steril und modern, aber steht für Stringenz und Charakterfestigkeit – gemütlich ist es trotzdem auf seine eigene Art und Weise.

  2. Sehr hübsch alles. Die Hochbetten sind eine schöne Alternative um mehr Platz in der Wohnung zu haben. Aber mit Kind finde ich die Leitern und Hochbetten eine große Gefahr. Auch bei gewissen Erkrankungen, die mit einem Kind auf einem drauf zu kommen, sind für mich solche Betten eher ungünstig anzusehen.
    Danke für den Einblick ins gemütliche Heim und alles Gute für die kleine Familie.

  3. Ich bin beeindruckt! Sehr schöne selbstgebaute Möbel – da war ein wirklicher Könner am Werk. Für meine nächsten Eigenbauprojekte habe ich ein paar Inspirationen gemopst. 🙂

  4. Gemütlich, schön, kreativ und sehr geordnet. Eine tolle Wohnung mit dem gewissen Etwas. Die Einrichtung ist individuell und vielseitig. Ich würde mich hier sehr wohlfühlen. Für ein Kind ist es toll, mit so vielen Möglichkeiten zum Klettern, wenn er das Kletteralter erreicht hat. Super!!!

  5. Von der Wohngemeinschaft zur Minifamilie. Den Verdrängungsprozeß muß man erst mal überleben. Wohnung wirkt sehr schön und strukturiert. Holztöne sind passend. Manches ist (sicher besucherbedingt!) allerdings sehr gestellt, wenn man das Alter des Kindes beachtet. Den Bewohner viel Spaß.

  6. Hallo Tobi,

    falls du Enrico kennst, dann frag ihn gerne, ob er Lust hat, seine neuen vier Wände zu zeigen.

    Viele Grüße
    Regina

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