Zu Hause bei Mutter Natur

Hausbesuch bei Una in Leipzig-Leutzsch (Foto: Regina Katzer)

Herzlich willkommen bei Una, 35 Jahre jung, Naturmensch und bald Mutter. Erst vor acht Wochen hat sie ihre nur acht mal 2,20 Meter große Mini-Bleibe – einen alten Bauwagen – im Norden von Leipzig verlassen, um sich einen neuen Lebensmittelpunkt zu suchen. In Leutzsch! „Hier leben viele Familien, es gibt einen großen Garten und die Gemeinschaft ist füreinander da“, erzählt die gebürtige Dresdnerin.

Schöner Platz zum Wohnen (360 Grad)

Leben im Bauwagen

Manchmal vermisst Una ihr altes Domizil noch, aber dann streichelt sie ihren Babybauch und lächelt wie eine Mona Lisa. Von 2003 bis 2007 studierte sie Modedesign in Hamburg und erst 2008 kam die junge Frau das erste Mal mit einem völlig veralteten Leipzig-Bild an die Pleiße. Doch ersten kommt es anders und zweitens als man denkt: Die selbstständige Designerin wurde mit offenen Armen empfangen und war von der Gastfreundschaft überwältigt. Damals zog sie in den Südwesten, mietete sich mit einer Freundin in ein kleines Häuschen am Stadtrand ein, mit viel Grün und nur wenige Minuten vom Cospudener See entfernt.

 

Als ihre Entscheidung feststand, einen Bauwagen zu beziehen, wanderten ihre Möbel leihweise zu Freunden, einige nahm sie mit. Ihre Topfpflanzen fanden Platz im Freien, Küchenschränke bekamen Schiebe- statt Klapptüren und ihr Vater baute ihr ein stabiles Bett aus Brettern und Holzbalken. Das Mobiliar wurde auf engstem Raum maßgerecht eingepasst. Im Sommer verlagerte sich das Leben nach draußen oder sie nähte ihre eigene Mode-Kollektion im Schleußiger Atelier. Im Winter mummelte sie sich bei eisigen Temperaturen im gut isolierten Bauwagen aus Alu ein. Einziger Luxus waren die Infrarot-Heizstrahler.

Große Hausgemeinschaft

Als sie schwanger wurde, reifte die Erkenntnis, dass der Bauwagen keine schöne Umgebung für ein Kleinkind bietet. „Es war Schicksal, dass ich diese Wohnung in Leipzig-Leutzsch gefunden habe“, sagt die werdende Mutter. Im Hochparterre des ökologisch sanierten Gebäudes aus den 1920er-Jahren gibt’s eine sogenannte Bauwohnung, die als Werkstatt für alle dient. Musikliebende verabreden sich zum Haus-Chor, über einen E-Mail-Verteiler werden regelmäßig Infos versandt und die Eltern organisieren gemeinsam die Kinderbetreuung. Der Eigentümer, dessen Großvater das Haus gebaut hat, legt großen Wert auf eine funktionierende Gemeinschaft unter seinem Dach.

Von Lieblingsstücken umgeben

Unas Drei-Zimmer-Wohnung ist 75 Quadratmeter groß. Zwischen Küche und Wohnbereich mit Südausrichtung gibt’s einen Durchbruch, ebenso zum Schlafzimmer. Ich kann mit der Bewohnerin quasi auf einen Rundgang durch ihr neues Domizil gehen. Im gemütlichen Wohnzimmer mit den alten Möbeln steht schon der Kinderwagen für ihr ungeborenes Kind. Vielleicht kommt es im Wonnemonat zur Welt – ein Mai-Kätzchen ist auch der Nachwuchs ihrer Hauskatze Chichi. Das selbstgebaute Schlafmöbel vorm Fenster hat ein goldenes Kopfteil, ansonsten ist das Zimmer bis auf einen großen Schrank und eine Truhe noch recht leer. Das wird sich demnächst ändern: Ein kleines Tippi aus Tüchern soll dem Baby Geborgenheit geben und ein Wickeltisch ist eine eher praktische Angelegenheit.


Die seit sechs Jahren vegan lebende junge Frau mit der Blume im Haar sei in ihren vier Wänden hauptsächlich „von Lieblingsstücken umgeben“, wie sie sie nennt. Ihre „Schätze“ stammen aus dem Möbelfundus vom Sperrmüll und Flohmarkt. Ein Harmonium, eine indische Shrutibox und eine Gitarre zeugen von ihrer Liebe zur Musik, ebenso wie die selbstaufgenommenen Musikkassetten aus längst vergangenen Zeiten. In der Küche „Marke Eigenbau“ steht ein Gasherd, auf dem Una täglich kocht. Ein kreisrunder Anschluss in der Wand und ein großes Blech auf dem Holzdielenboden deuten schon an, dass hier bald ein Feuerchen im Ofen knistern wird. Um der Natur noch ein Stück näher zu sein, sucht Una gegenwärtig einen wild-romantischen Schrebergarten in Leipzig-Leutzsch, möglichst mit Bäumen und viel Platz für Gemüse-Beete.
Wer einen solchen abgeben möchte, schreibt gerne eine Email an wohnblog@lvz.de!

23 Gedanken zu „Zu Hause bei Mutter Natur“

  1. Una, willst du meine Freundin sein? 🙂 Du siehst so nett aus und deine Wohnung ist wunderhübsch. Sehr sehr gemütlich. Dein Kindchen hat sich ganz bestimmt die richtige Mama ausgesucht! Und das Wohnprojekt klingt wunderbar. Wir leben mit unseren Kindern auch ganz ähnlich inmitten von Leipzig. So sollte wohnen sein – ein miteinander leben.
    Alles Liebe dir, Selma

  2. Mein absoluter Wohntraum- schöner geht´s nicht. Gemütlich- kreativ- nachhaltig. Wunderbar.Viel Glück der sympathischen Bewohnerin und ihrer- baldigen- Familie. Danke für diesen atemberaubend schönen Rundgang…..

  3. Wow, das ist ja mal ne coole Wohnung. Ich glaube, da würde ich mich sofort wohlfühlen. Und erst der Bauwagen. Super! Diese Wohnung wird in diesem Blog mehr als zurecht vorgestellt. Die Einrichtung ist stimmig, hat Charakter und ist toll mit fiffigen Ideen kombienert. Der Besitzerin alles Gute für die Zukunft.

  4. Vielen Dank liebe LVZ Redakteurin,

    ein schöner Wohnblog. Mal was erfreulich völlig Neues. Toll.

    Weiter so!

  5. Liebe Carola,

    vielleicht schreibst du noch ein paar Zeilen zum Kommentar – ich verstehe ihn leider nicht?!

  6. Eine sehr schöne Wohnung. Sehr gemütlich. Da würde ich mich auch sehr wohl fühlen.
    Ich wünsche eine schöne Zeit wenn das Baby da ist. Alles Gute.
    Silke

  7. Ich verstehe ihn auch nicht! Da hat wohl etwas nicht geklappt.
    Die Wohnung ist sehr schön, vor Allem individuell!

  8. ich finde, dass dies einer der besten Beiträge hier seit langem ist. Die Wohnung ist Geschmacksache aber es gefällt mir sehr. Ich würde mich bei Una wohlfühlen.
    Alles gute an die werdende Mama und eine schöne gemeinsame Zeit in der neuen Wohnung.

  9. # 11 Bitte gern und was länger dauert …. Zum Artikel: Schön, wenn es solche Hausgemeinschaften und den Enkel des Hauserbauers noch gibt, da wird sicher leichter werden. Die Inneneinrichtung ist ganz nett und ein Spiegelbild des Lebens der Bewohnerin bzw. Querschnitt aller Epochen. Der Kinderwagen erinnert mich noch an den eigenen Wagen Firma Zekiwa , wo unsere Kinder (älter als die Bewohnerin) drinlagen. Erkenntnis für mich aus diesem Artikel ist, dass solange noch derartige Befeuerung im Bauwagen möglich ist, sollte niemand an die nächste Umweltplakette in der Farbe blau nachdenken, sondern andere Hausaufgaben machen. Eine schöne Zeit der jungen Frau für den nächsten Abschnitt und möge sich der Vater kümmern.

  10. Ach ist das schön.
    Ich freue mich das es junge Leute gibt die solche schöne Wohnungen haben und kein IKEA schick. Die Nachhaltig sind und mit so viel liebe und Scharm.
    Wenn in so einer Umgebung ein neuer Erdenbürger groß wird , stimmt mich das mit viel Zufriedenheit.
    Ich wünsche Gottessegen auf allen deinen Wegen und viel Sonne in deinem Herzen.

  11. Aber der rote Kochtopf mit nur noch einem Griff müßte dringend entsorgt werden.

    Das kann gefährlich werden.

    Alles Gute für die bevorstehende Geburt !

  12. Eine authentische Wohnung, die das Bild einer authentischen Frau zeichnet. Ich würde nichts daran verändern wollen.

  13. Ohhh wirklich wunderschön *°*
    genau so etwas suche ich – wo findet man so eine Perle – zudem noch ökologisch saniert –
    ich habe viele Unverträglichkeiten und suche dringend eine solche Wohnung,
    ohne Laminat etc…
    zudem eine Hausgemeinschaft – ich bin hin und weg von Unas Paradies .:-)
    Ich wüsste so gerne, wie man so etwas findet – bei meiner langen Suche im Internet
    bin ich nicht fündig geworden 🙁

  14. Hallo Jenniefee,

    dann lass uns gemeinsam suchen – stell mir deine derzeitige Wohnung vor und ich starte einen Aufruf. Der Blog erscheint am Wochenende auf der Immobilienseite der LVZ – vielleicht finden wir einen Eigentümer, der genau diese Wohnungen vermietet.

    Schönen Sonntag
    Regina

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