Was für ein Mopsleben

Heute bin ich das erste Mal zu Gast in der Leipziger Wohnanlage „Buchwerk“. Der Industriekomplex wurde 1870 als Fabrikneubau errichtet, später als Großbuchbinderei H. Fikentscher und vom VEB Interdruck Graphischer Großbetrieb Leipzig genutzt. Von 2016 bis 2018 wurde das Industriedenkmal in Leipzig-Reudnitz komplett saniert. Am Fahrstuhl empfängt mich diesmal kein Zeitgenosse, sondern einer mit runzligem Gesicht – Mops Bourdieu, der wie der gleichnamige französische Denker und Soziologe heißt.

Industrieloft mit Charme

Bourdieus Reich ist ein geräumiges Industrieloft von 90 Quadratmetern, das Herrchen und Frauchen im November vor zwei Jahren bezogen haben. Als ich die beiden Anfang der Woche besuche, haben sie gerade frei und feiern ihren ersten Hochzeitstag. Der kleine „Prinz“ hat es sich unterm Esstisch zu ihren Füßen bequem gemacht. Eigentlich liege er den ganzen Tag immer nur herum, lauert höchstens mal vor der Speisekammer auf Futter oder schnarcht neben seinen Lieblingsplüschtieren, einem kuscheligen Häschen und einem rosafarbenen Flamingo, ganz genüsslich durch den Tag.

Aristokratische Herkunft

Der Rüde zählte vier Monate, als er bei seinen Leipziger Besitzern einzog. Er war ein Scheidungskind, erzählt „Mutti“, die er von Anfang an verzaubert hat. Das niedliche Hündchen mit dem doppelt geringelten Schwanz stammt aus der Mopszucht vom „Sachsen Adel“ und seine Geschwister wurden nach New York und Barcelona vermittelt. Heute ist Bourdieu, dessen Name schon vor der Adoption feststand und von „Papa“, einem Sozialwissenschaftler ausgewählt wurde, zweieinhalb Jahre alt und wiegt knapp elf Kilogramm.

Menschen und Möpse

Er ist ein ganz lieber und ruhiger Hund, der seine „Eltern“ auf Schritt und Tritt begleitet. Morgens gehen die drei gemeinsam zur Arbeit, die nur 800 Meter von der Wohnung entfernt ist. Frauchen ist Leiterin einer Berufsschule und Bourdieu der beliebteste Mitarbeiter im ganzen Haus. Alle wollen mit ihm Gassi gehen und manchmal ist er auch Seelentröster, wenn bei den Azubis die Tränen rollen. Wenn der Mops mit seinen „Ellis“ durch die Gegend streift, werden sie von wildfremden Menschen angelächelt oder bekommen lustige Sprüche zugerufen. Wie sagte schon der Komiker Loriot: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“

Der „Akademie-Mops“ sei ein stadtbekannt und in vielen Bars, Restaurants und Hotels ein gern gesehener Gast. „Im ‚Imperii‘ gibt’s geshaktes Wasser und beim Italiener Parmaschinken“, plaudert Herrchen und lacht. Wen verwundert es, dass Bourdieu einen eigenen Instagram-Account hat. Was für ein Mopsleben! Nur das Bett des jungen Ehepaares ist tabu – meist verkrümelt er sich nachts in seine kuschelige Ecke im großen Wohn- und Essbereich mit der großen Fensterfront. Neugierig folgt er mir auf den Balkon mit Blick auf die Mini-Skyline von Leipzig, dem Wintergartenhochhaus und dem Panorama-Tower. Zum Abschluss meines Besuchs darf ich dem charmanten Vierbeiner noch das beigefarbene Fell kraulen.

4 Gedanken zu „Was für ein Mopsleben“

  1. Ein schöner Bericht über die „Neuen“ im Leipziger Osten und einen sympathischen Mops. Leider fehlt der Wohnung Persönlichkeit, sie sieht eher aus wie eine Ferienwohnung – Schade.

  2. Ein Mops ist kein Hund sondern eine Lebenseinstellung -das spiegelt sich in dieser kreativen
    und mit persönlichen und witzigen Details ausgestatteten Loft hervorragenden wieder.

  3. Ich gebe Ele Wunder vollkommen recht! Das Loft ist stylish, geschmackvoll und mit hochwertigen Möbeln und Kunst eingerichtet. Respekt an die kleine Mops-Familie für so viel Stil.

    Eine Wohnung wird nicht „persönlicher“, indem man sie mit unnötigem Plunder vollstellt. 😉

    Alles liebe, kleiner Mops-Mann.

  4. @Sandro: Die FeWo, in der den Gästen dieser wunderbare Lounge Chair von Vitra zum relaxen zur Verfügung steht, möchte ich erstmal sehen. Das Ding ist (wie der Mops😉) Teil der Lebenseinstellung, das kauft man sich einmal im Leben und dann ganz bewusst für sich selbst und für den lieben Menschen an seiner Seite.

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