Sterni und Retro im Osten

Hausbesuch bei Yannic im Osten (Foto: Regina Katzer)

Der Osten der Messestadt ist cool, jung und alternativ – und genau aus diesem Grund hat sich Yannic (22) seine erste eigene Wohnung im Leipziger Stadtteil Reudnitz eingerichtet. Geboren in Chemnitz und aufgewachsen in einem Dorf bei Mittweida, lebt der studierte Elektrotechniker nun in zwei Zimmern auf 50 Quadratmetern jenseits des Lene-Voigt-Parks.

Während seines dualen Studiums in Bautzen absolvierte Yannic seine praktische Ausbildung in Dresden. In der Landeshauptstadt lernte er auch erstmals das Leben in einer Wohngemeinschaft kennen. „Wir hatten fast vier Meter hohe Decken. Da uns Lampen fehlten, fing ich an, welche zu basteln“, erzählt er. Der imposante Leuchter bestand aus 900 Sterni-Kronkorken. Damals leerten Yannic und seine Kumpels noch Flasche um Flasche, um an das begehrte Material zu kommen. Mittlerweile ist das dreiteilige Stück in einem Karton unterm Schreibtisch verschwunden, weil die Leipziger Wände für seine Ausmaße zu niedrig sind.

Kissen, Sofa und jede Menge Sterne

Dafür gibt es in der Zwei-Zimmer-Wohnung jede Menge selbstgebaute Möbel zu entdecken. Auf dem großen Sofa haben bequem mehrere Leute Platz, entweder zum Filmegucken oder zum Vorglühen am Abend, bevor es die Freunde in die Clubs zieht. Das Couch-Kissen mit dem roten Stern ist ein Geschenk seiner Mutter, die sich eine neue Nähmaschine zugelegt hat und dem Sohnemann eine Freude machen wollte.

Lampen aus Kronkorken

Auch die kleine Theke vor der Kochnische, das Bett samt Stauraum für allerlei Krimskrams und den Schreibtisch mit einer Spanplatte, der noch aus dem elterlichen Haus stammt, hat Yannic selber gebaut. Ansonsten mag er alte Einrichtungsgegenstände, die er entweder beim Gebrauchtwarenhändler um die Ecke findet, von seiner Oma übernommen hat oder als Erinnerung an seinen verstorbenen Opa in Ehren hält. Das Weltraum-Bild an der Wand im Flur etwa stammt vom Großvater, der gerne malte. Und dann gibt es diese rot designten Lampen an den Decken und auf dem Nachttisch. „Die im Vorsaal ist relativ neu. Da habe ich mit Heißkleber gearbeitet und die Kronkorken an Drähten befestigt. Das macht das Ganze flexibel und leicht bewegbar“, erzählt der kreative Kopf.

Ich seh‘ den Sternihimmel

In seiner Elektronik-Ecke im offenen Wohn- und Küchenbereich findet der Bewohner alles, was sein Bastler-Herz begehrt – vom Frequenzgenerator über ein Labornetzteil bis hin zum Synthesizer. Hier mischt der Fan des österreichischen Hip-Hop-Musikers Yung Hurn seine Beats ab und tüftelt an interaktiver Musik, gekoppelt mit Licht. Auch als Fotomodel macht der 22-Jährige eine gute Figur – im Fankalender 2019 der kultigen Biermarke saß er vor der Kamera von Fotograf Nick Putzmann und setzte sich und seine eigene Design-Lampe in Szene.

6 Gedanken zu „Sterni und Retro im Osten“

  1. Ich find’s gut, pragmatisch, kreativ, sparsam und lebendig. Ok, bis auf die Kronkorken, zur Schau gestellter Bierkonsum ist echt nicht meins. Und die Ladys mögen das auch nicht so, nur als Tipp. Aber ansonsten, ich tät mich da wohlfühlen, ich würde aber glaub ich als erstes ne Stunde am Behringer rumkurbeln hahaha…

  2. Gefällt mir hundertmal besser als alles, was hier bisher zu sehen war. Eine individuelle Wohnung, in der ein echter Mensch lebt und kein Modell aus dem Otto-Katalog.

  3. Ein interessanter, kreativer Typ mit einer interessanten Wohnung. Das Sofa ist für mich der Knüller. Wer so was zusammenschrauben kann, der „schraubt“ halt auch mal zur Abwechslung an Sounds. Kann man das irgendwo hören? Trinken für den Regenwald kennt man ja, aber trinken für’s Licht ist neu! Wünsche weiterhin viel Inspirationen….!

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