Heilige Familie im Stall

Heilige Familie in Ton (Foto: Regina Katzer)

Halleluja, liebe Wohnblog-Gemeinde! Heiligabend rückt näher und Gemütlichkeit zieht in die eigenen vier Wände ein. In der weihnachtlich dekorierten Wohnung sind es oft Schwibbögen, Pyramiden und Räuchermännchen, die unser Herz in der Adventszeit erwärmen – und vielerorts darf eine Krippe mit der bildlichen Darstellung der Geburt Jesu nicht fehlen.

 

Die Hauskrippen daheim sind meist Kunstwerke, kleine Modelllandschaften, die die Szene im Stall von Bethlehem zeigen. Die ersten Weihnachtskrippen existierten bereits im Frühchristentum. Anfänglich lag das Jesuskind in der Futterkrippe, nur umringt von Ochs und Esel. Erst später im Mittelalter kamen Abbilder hinzu, in denen auch Maria und Josef von Nazaret auftauchen. Am Tag vor Heiligabend möchte ich aber den Blick auf jene Weihnachtskrippen lenken, die eine Nummer größer sind – auf die in den Leipziger Kirchen, wo sie am 24. Dezember nicht nur Kinderaugen zum Leuchten bringen.

Thomaskirche zu Leipzig

In der Thomaskirche erwartet mich Küster Andreas Rosch, der gerade im Adventstrubel steckt. „Unsere über 100 Jahre alte Krippe wird erst am Heiligabend zur Weihnachtsmotette um 13.30 Uhr zu sehen sein“, erzählt er. Vorab darf ich aber schon das Innenleben des überdachten Stalls mit Beleuchtung und die handgeschnitzten Figuren bewundern. Mittelpunkt der Miniaturwelt ist die Heilige Familie – das Kindlein in der Krippe, umringt von den Heiligen Drei Königen und den Tieren. Liebevolle Details wie eine Feuerstelle mit Teekessel und eine Handsäge fürs Holz fesseln meine Aufmerksamkeit und lassen mich für ein paar Augenblicke das weltliche Geschehen der zurückliegenden Tage vergessen.

Nikolaikirche

In der Nikolaikirche zu Leipzig, dem größten Gotteshaus der Stadt, entdecke ich eine eher schlichte Darstellung des Krippenmotivs. Die Figuren der Heiligen Familie sind aus Ton geformt, die drei Könige und die Hirten samt der Tiere auf einem weißem Tischtuch platziert, drapiert mit Weihnachtssternen. Nach meinem Besuch im Stadtzentrum führt mich mein Weg gen Süden – zu einem Methusalem unter den Weihnachtskrippen.

Paul-Gerhardt-Kirche

In der Paul-Gerhardt-Kirche am Connewitzer Kreuz empfängt mich Hausmeister Andreas Viezens, der mit seinen Kollegen vor den Festtagen eine hektische Zeit erlebt. Bereits in der Eingangshalle hinter der Kirchentür, auch Brauthalle genannt, steht das Heiligtum. Die Weihnachtskrippe ist ein Geschenk eines Gemeindemitgliedes und stammt aus den frühen 1950er-Jahren. „Schon als Kind war die Krippe mein Highlight zur Weihnachtszeit“, plaudert der 55-Jährige. In der Gerhardt-Kirche wurde der Leipziger getauft und konfirmiert – und am Weihnachtsabend mimte er meist den Hirten beim Krippenspiel.

 

Schäfchen auf dem Markt

Fehlen in meiner Liste darf natürlich nicht der Leipziger Weihnachtsmarkt, wo Groß und Klein im Schatten des großen Tannenbaumes eine überdachte Krippe mit vier lebendigen Schafen, Maria und Josef und das im Heu liegende Jesu-Kind, den Heiligen Drei Königen sowie Ochs und Esel bestaunen können. Udo Dräger, seit 24 Jahren als Hausmeister vom Weihnachtsmarkt tätig, versorgt das Mutterschaf und ihre drei Lämmer täglich mit Futterrüben, Heu und ein wenig Schrot. „Als Leckerli gibt’s Äpfel“, verrät mir der 59-Jährige.

Morgens stehen vor allem Kinder mit ihren Tagesmüttern am Zaun, am Nachmittag kommen die Familien vorbei und freuen sich über die Tiere vom Schäfer Harald Weber aus Geithain. Nachts schlafen die Schafe in der Krippe, die genug Platz für alle vier Wolltiere bietet. Die Heilige Familie ist noch bis zum Abend des 23. Dezembers auf dem Leipziger Marktplatz zu erleben. Dann heißt es Abschiednehmen, bis zum nächsten Jahr…

Ich wünsche allen eine friedliche Weihnachtszeit, ein schönes Fest und besinnliche Stunden an den Feiertagen!

Ein Gedanke zu „Heilige Familie im Stall“

  1. Ich wünsche auch ein frohes Weihnachtsfest, daheim im Kreise der Familie, und bin sehr gespannt auf die Vorsilvester-Ausgabe des Wohnblogs!

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