Gut behütet unterm Dach

Ihr gemeinsames Wohnglück haben Romy Marienfeld und Ehemann Sebastian in einer 77 Quadratmeter großen Dachgeschosswohnung im Leipziger Stadtteil Südvorstadt gefunden. Seit 2012 teilen sich die 34-Jährige und ihr sieben Jahre älterer Lieblingsmensch zwei Zimmer, eine Küche und das Bad. „Und nicht zu vergessen, unsere vielen Kammern“, sagt die Freischaffende mit einem Lächeln.

Daheim im Süden

Weil die Wohnung keinen Balkon hat, spielte die studierte Theaterwissenschaftlerin eigentlich immer mit dem Gedanken auszuziehen. Aber so langsam fühle sie sich in den eigenen vier Wänden verwurzelt, denn nachdem sie ihr Atelier aus dem großen Wohn- und Arbeitszimmer ausgelagert hatte, lebt es sich hier doch recht gut – hoch über den Dächern der Stadt. Und seit Weihnachten (der Baum mit echten Kerzen lässt noch grüßen) haben die beiden wieder ein richtiges Wohnzimmer. Sogar mit Podest! Das stammt von einer Vormieterin, die etwas kleiner gewachsen war und den Blick aus den Fenstern genießen wollte. Auf diesem Absatz steht erhöht ein Schaukelstuhl aus Leder sowie ein Regal voller Plüschtiere. „Theaterleute erzählen gerne Geschichten“, sagt Romy und greift sich eine Handpuppe, mit der sie als ehrenamtliche Lesepatin jüngeren Kindern kleine Erzählungen vorträgt.

Theaterleben

Die gebürtige Leipzigerin ist fußläufig entfernt in der Südvorstadt aufgewachsen, hat hier das Abitur gemacht, Theaterwissenschaft und Anglistik auf Magister studiert. „Alles, was Great Britain betrifft, interessiert mich sehr. Ein Studium auf der Insel war leider zu teuer“, bedauert die junge Frau. Von unschätzbarem Wert hingegen waren Praktika im Leipziger Theater der Jungen Welt und in der Freien Szene. Sie hospitierte in der Regie, lernte das Soufflieren und Schauspielern. Von 2012 bis 2015 arbeitete sie sie als Regieassistentin  am Landestheater Rudolstadt und wurde selbst zur Akteurin, wenn ein Schauspieler erkrankte – schließlich konnte sie als Souffleuse alle Texte auswendig. Außerdem lernte sie in den Theaterwerkstätten von den Schneidern allerhand über Stoffe.

Wie alles begann…

Als 18-Jährige war sie mit ihrem Bruder Daniel, einem Hobbyfotografen, von dem der Graffiti-Mund an der Wand stammt, das erste Mal beim Wave-Gotik-Treffen. „Den Tüllrock hatte damals meine Mama genäht. Mein erstes designtes Mini-Hütchen habe ich noch im Schrank“, verrät sie. Seitdem kreiert sie vorm langen Pfingstwochenende, an dem sich die schwarze Szene in Leipzig trifft, neuen Kopfschmuck, den sie meist zu Reifröcken trägt.

Der Wunsch, einen eigenen Laden zu haben, spukte schon lange in ihrem Kopf herum. Im Juni vorigen Jahres begannen viele Helfer damit, das Geschäft in der Kurt-Eisner-Straße auszubauen. Romys Schmuckstück, der romantisch verspielte Galerieladen, hält Accessoires für helle und dunkle Anlässe bereit. Das Label heißt „Faunauge“ – die Kunsthandwerkerin fertigt individuellen Kopfschmuck in hochwertiger Handarbeit und mit außergewöhnlicher Kreativität.

360-Grad-Rundgang durch das Ladenatelier

 

Zurück ins traute Heim: Der helle, hölzerne Dielenboden macht die Zwei-Zimmer-Wohnung gemütlich und „obwohl alles zusammengestückelt ist“, so Romy, ist das Paar angekommen und genießt den Feierabend unterm Dach. Bücher sind die schönste Deko im Hause, meint die Hausherrin, und seit die beiden einen großen naturnahen Garten in Marienbrunn besitzen, gehören sie zu den Weinanbauern mit großen Hoffnungen. Zum Wohl!

 

 

 

 

 

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