Badewanne, Blumenersatz und Bügelbrett

Dieter wohnt im Leipziger Stadtteil Connewitz und hat mich in seine vier Wände eingeladen. Der 57-Jährige lebt seit knapp einem Jahr in der Messestadt: Zuerst in einem kleinen Appartement, jetzt ist er im gleichen Haus in eine Drei-Zimmer-Wohnung gezogen und widmet sich in seiner Freizeit dem Upcycling.

Kein Fremdwort – Upcycling

Als in seiner Heimatstadt Detmold vor etwa fünf Jahren ein Designpreis ausgeschrieben wurde, hörte der gelernte Kfz-Technikermeister das erste Mal von der Idee des Upcyclings. Alte und nutzlose Dinge werden aufgewertet, neu gestylt und wieder im Alltag integriert. „Die Geschichte mit den Euro-Paletten sind bekannt, ich wollte mal was anderes ausprobieren“, sagt er und schaukelt im Badewannen-Stuhl hin und her. In diesem Acryl-Sitzmöbel liest er morgens die Zeitung, entspannt von der Schichtarbeit beim hiesigen Automobilhersteller.

Aus Fahrradschlauch mach‘ Tasche

Das ganze Wohnzimmer „ist voll mit dem Zeug“, wie er es nennt – aufgehübschtes Second-Hand-Material. Einige Möbelstücke hat er mitgebracht, anderes auf dem Flohmarkt um die Ecke entdeckt. Wie die Nachtschränkchen mit Glasplatte und Deckchen, die er in ein Regalsystem integriert hat. Aus alten Fahrradteilen und Rädern entstand ein Soundregal für den Schallplattenspieler, ein altes Bügelbrett mit Holzplatte dient als Tisch in der Mitte des Zimmers. Furchtbar praktisch sei das, höher verstellbar und schnell weggepackt, wenn der Platz mal eng wird, kommentiert der Neu-Leipziger. Auch Taschen hat der Auto-Experte schon designt, aus alten Ordnern und Fahrradschläuchen.

Handmade-Leuchtmittel

Mit dem Oldtimer-Fahrrad im Flur ist der Bewohner schon etliche Kilometer geradelt, die Schaufensterpuppe im Türrahmen stammt aus einem Supermarkt, der Stuhl daneben ist sein allererstes Upcycling-Objekt aus alten Lattenrosten. Das Gestell hat Dieter vom Lack befreit und mit Salzwasser behandelt, um eine rostige Oberfläche zu erzeugen. Auch seine Leuchtmittel hat der gebürtige Westfale größtenteils selber gebaut: aus alten Lkw-Teilen mit Steuerketten, Drahtkörben und entsorgten Gulaschgläsern aus einer Metzgerei. Auf einem Rollschrank, beklebt mit alten Zeitungen, stehen blaue und gelbe Ventile aus einem Automotor. „Das ist eine Art Blumenersatz“, sagt er und lacht.

Früher ist der Junggebliebene Rallye gefahren, einfach mal ab durchs Feld in Nordrhein-Westfalen. Das fehlt ihm in der neuen Heimat, bekennt er. Dafür kann er vor der Haustür in den Wald joggen, um sich für den Stadtmarathon demnächst fit zu laufen. Der Vater zweier erwachsener Kinder fühlt sich in Leipzig wohl, weiß aber auch, dass er nicht für immer hier bleiben wird.

PS: Aktuell sucht Dieter eine Werkstatt für sein Hobby. Wer helfen kann, meldet sich bitte per Email an wohnblog@lvz.de

5 Gedanken zu „Badewanne, Blumenersatz und Bügelbrett“

  1. Auch wenn ich es mir nicht vorstellen kann so zu wohnen, finde ich die Ideen, welche dahinter stecken, doch sehr gut. Ich sagte immer: lieber selbst gemacht als selbst gekauft.
    In diesem Sinne
    Viele Grüße aus Niedersachsen

  2. Wenn er sich in seinem wohnlichen Ambiente wohlfühlt, ist es ja seine Sache. Ich wünsche ihm weiterhin viel Glück.

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